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2015

Palais idéal

Jurybegründung zum Tanz und Theaterpreis des Landes Badenwürtemberg

In „Palais Idéal“ arbeiten die Choreografin Anne-Mareike Hess und die Regisseurin M. Heinrich Horwitz gemeinsam und in beeindruckender Radikalität an dem Phänomen der Entgrenzung. Die Jury würdigt ein Experiment, in dem sich die Performerinnen mit dem Körper und dem Theater als bisweilen nebulöse Umgebungen auseinandersetzen. Menschen, Objekte, der Theaterraum, Licht und Geräusche – sie alle werden in einem kontinuierlichen Prozess rhythmisch miteinander in Berührung gebracht und in Beziehung gesetzt – womit sich das Stück in der Nähe aktueller Diskurse zu Objekt-Mensch und Mensch-Umwelt-Beziehungen bewegt. Trotz dieser Ernsthaftigkeit entwickeln die Performerinnen bisweilen witzige Situationen, die dem Publikum neue Blicke auf Körper und Theaterräume ermöglichen. Blicke, die nicht so sehr auf das Spektakel zielen, sondern in der gemeinsamen Suche nach Grenzen und Auflösungserscheinungen gängige Formen des Zusammenkommens im Theater herausfordern und bereichern.


2014

Ich befürchte jetzt kennen wir uns

Eine »kraftvolle Inszenierung« habe M. Heinrich Horwitz geliefert, die Uraufführung habe die »Ohnmacht der Sprache« bloßgestellt, die Darsteller hätten einen »Reigen der Sprachlosigkeit« zusammen getanzt, schreibt Peter Zschunke für die DPA (17.11.2014). Mit der gemeinsamen Stückentwicklung von Regisseurin und Autor zusammen mit den Schauspielern habe das Theater Heidelberg einen »ganz eigenen Kontrapunkt zum Saisontrend gesetzt«, Romanvorlagen für die Bühne zu adaptieren und gezeigt, wie »erschreckend unfähig wir geworden sind«, über Sprache zu »geglücktem Miteinander« zu kommen.

Von einem »desillusionierendem Theaterabend«, der »angreife«, berichtet Heribert Vogt in der Rhein-Neckar-Zeitung (18.11.2014). Gleichzeitig bewirke der Abend einen »tiefen Einschlag in die Bewusstseinsroutine«, die Inszenierung breche »festgefahrene Denkmuster auf« und stelle »elementare Fragen des Lebens neu«. Im Fokus des Abends stehe das »dynamische Kollektiv«: »alles, was dem einzelnen Menschen widerfährt, spiegelt sich in den Auswirkungen auf seine Mitmenschen, transportiert durch das große Bewegungsrepertoire im Spannungsfeld von Anziehung von Abstoßung, das anders von der Zwischenwelt der wunden Seelen »spricht« als Worte es vermögen.«


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